Ina Beissner | Bells are ringing

Als ich Ina Beissner vor vier Jahren auf einer Party kennenlernte und fragte: Und, was machst du so, sagte sie: „Ich setzte gerade alles auf eine Karte und mache mich selbstständig. Mit meinem eigenen Schmucklabel.“ Sie kam gerade aus ihrer (zweiten) Heimat Peru, wo sie ihre Ideen mit Inspirationen und Kindheitserinnerungen kreuzte und die ersten Samples fertigte. Cool, dachte ich damals, und: ganz schön mutig. Schließlich hat man als Moderedakteur schon viele Marken kommen und gehen sehen. 

Heute ist Ina Beissner mit ihrem gleichnamigen Label in internationalen Ausgaben der Vogue, Elle, Harper’s Bazaar, Interview u.s.w. vertreten. Der Pariser Concept-Store Colette nahm ihre Kreationen als erstes Geschäft insSortiment auf, Schauspielerin Jessica Schwarz und die französische Stilikone Garance Doré sind Fan. 

Vergangene Woche besuchte ich Ina im Volume auf der Brunnenstraße in Berlin-Mitte, ihrem derzeitigen Büro und Atelier. An der Wand lehnt ein Moodboard, unter anderem mit einem Bild der androgynen Schauspielerin Tilda Swinton, daneben ein Bild der „Candela“ Kette aus ihrer aktuellen Kollektion, bestehend aus großen goldenen Schellen, ihrem Markenzeichen. „Als ich klein war, hatte ich eine Rassel mit diesen Glöckchen dran, das hat sich bei mir eingeprägt.“ 

Inzwischen gibt es Ringe, Ketten, Armreife und Ohrschmuck mit den stilisierten Bells im Art-deco-Stil. Alles made in Italy. „Dieselbe Manufaktur bei Florenz, die auch Tiffany’s und Saint Laurent fertigen!“ sagt Ina stolz. Nach ihrem Abschluss an der Berliner Modeschule Esmod und einem Job bei Proenza Schouler in New York, wo sie sich von der Architektur, insbesondere dem Crysler Building und den verspiegelten Fassaden hat inspirieren lassen, studierte Ina Schmuckdesign in Mailand. „Ich hab mich lieber mit kleineren 3-D-Objekten beschäftigt. Bei meiner Abschlussarbeit bekam meine kleine Schmuckkollektion dann richtig Aufmerksamkeit.“ 

Was bedeutet Schmuck für dich?
Für mich hat ein Schmuckstück etwas Versicherndes. Etwas, das wir bei uns haben, das sich mit uns verbindet und schützt. Schmuck kann Statements setzen oder aber auch emotional berühren.

Hast du ein persönliches Lieblingsstück, welches für dich diese Eigenschaften besitzt und du immer trägst?
Ich denke es ist die Uhr, die ich an meinem 30. Geburtstag von meiner Mutter bekommen habe. Sie hat sie von meinem Vater zu meiner Geburt bekommen. Diese Uhr bedeutet mir sehr viel und ich habe auch vor, sie später mal an meine Kinder weiterzugeben. Ich nehme sie so gut wie nie ab. Genauso wie meinen Klassiker, die Ohrstecker „Mini Bell Studs“ – ohne diese Schmuckstücke gehe ich nicht aus dem Haus.

Du entwirfst immer wieder neue Kollektionen und jeweils neue Teile reihen sich ein. Zunächst waren esFreundschaftsbändchen, dann kamen Statement-Ketten, Ohrringe und schließlich Ear Cuffs. Was erwartet uns als nächstes? Die aktuelle Kollektion wird vom deutschen Topmodel Franzi Müller präsentiert und ist minimalistisch cool aber auch filigraner als zuvor – passend zum Sommer, wenn zarte Teile einfach besser funktionieren, als schwere Colliers. Die Herbst/Winter-Kollektion wird dagegen ein bisschen exzentrischer, mit onyxfarbenen Stücken und von Inkas inspirierten Motiven. 

Was sind derzeit deine Bestseller und was glaubst du, ist das nächste große „Ding“ in Sachen Schmuck?
Wer weiß, vielleicht kriegen die Füße oder die Oberarme erneut ein bisschen Aufmerksamkeit, wie zuletzt in den 90er Jahren. Ich glaube aber, dass es in den nächsten Saisons beim unkonventionellen Ohrschmuck bleibt. Das hoffe ich zumindest, da mein absolutes Lieblingsteil aus der neuesten Winter Kollektion der „Kaeli In-Ear-Hoop“ ist. Eine (!) Kreole, die man in die Ohrmuschel einhängt. Dafür braucht man nicht einmal ein Ohrloch. Dieses Schmuckstück war im Übrigen auch der Favorit der Einkäufer auf der Pariser Accessoires-Messe Premiere Classe und mein Best-Selling-Piece aus der Kollektion! Grundsätzlich bin ich immer offen für Accessoire-Inszenierungen jeder Art und lasse mich gerne inspirieren.

Liebe Ina, vielen Dank für das Interview!

In Berlin kann man Schmuck von Ina Beissner übrigens bei Ofelia, im Departmentstore Quartier 206 und im Voo Store erstehen.

Fotos: Portraitfoto: Sandran Semburg, Atelier-Fotos: Stephanie Beckmann, Kollektionsbilder: PR

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