Eine eigene Modelinie, Uniformen für eine amerikanische Airline, Juri-Mitglied in Heidi Klums „Project Runway“ und die allzeit fordernde, hochrangige Kundschaft – US-Designer Zac Posen ist heiß begehrt und meistert alle Herausforderungen scheinbar mühelos. Nun wurde er zudem zum Schirmherr des „Designer for Tomorrow“-Awards ernannt, ein Förderpreis für Nachwuchsdesigner, initiiert vom Modehaus Peek & Cloppenburg. Bei dieser Gelegenheit trafen wir den vielbeschäftigten 34-Jährigen im Soho House Berlin.
Auf einem plüschigen Sofa empfängt uns Zac Posen, wie hindrapiert, in einem rostfarbenen Maßanzug, vanillegelbem Jacquard-Hemd und Häkelkrawatte in Violett. Wie das zusammenpasst? Hervorragend natürlich! Doch beruflich spezialisiert sich Posen lieber auf Damenmode. Als Naomi Campbell 2001 umgehend eine Maßanfertigung ordert, gleich nach seiner ersten Präsentation, gewinnt er den Respekt der Branche. Und wird mit Aufträgen und Jobs überhäuft, Beifall von allen Seiten inklusive. Das geht nun schon seit Jahren so, Posen entwirft Roben für die gesamte Riege der weiblichen Hollywood-Stars und meistert jede prominente Herausforderung mit Bravour. Inzwischen gilt er in modischen Dingen als wahrer Frauenversteher. Den Titel „Fashion-Wunderkind“, den ihm seine Omnipräsenz bescherte kann er nicht mehr hören. Und doch gibt es da noch diese eine wichtige Stil-Ikone, die ihm in seinem ganz persönlichen Repertoire noch fehlt.
Mr. Posen, Sie designen Kleider für die erfolgreichsten, schönsten aber auch unterschiedlichsten Frauen dieser Zeit. Nehmen wir zum Beispiel Schauspielerin Glenn Close und Sängerin Rihanna. Wie gehen Sie vor? Es ist ein Spiel. Die Damen geben mir Stichworte aber überlassen mir die Interpretation. Ich mag diese Art derZusammenarbeit, sie inspiriert mich und so habe ich auch etwas davon. Es ist mir sehr wichtig diese Verschiedenheit der Frauen als Designer zu repräsentieren anstatt nur einem bestimmten Typ Frau gerecht zu werden. Glenn Close ist für mich die Größte, sie ist wundervoll. Was aber alle gemeinsam haben ist, dass sie kreativ und intelligent sind. Und sie haben alle irgendein Ziel vor Augen, wenn sie zu mir kommen: Die einen soll ich in ihrer Persönlichkeit unterstützen, andere wollen ein komplett neues Image von mir.
Falls es überhaupt eine Dame in Hollywood gibt, die Sie noch nicht eingekleidet haben, wem würden Sie gerne eine Robe oder ein neues Image kreieren? Oh doch, Madonna. Natürlich trägt sie meine Kleider aber ich habe noch nie eine richtige Robe für sie angefertigt. Das wäre mein Traum.
Warum Madonna? Sie steht für kulturellen Wandel. Nein, sie ist kultureller Wandel. Uns verbindet die Leidenschaft für Glamour und Provokation. Sie legt allerdings größten Wert darauf gesellschaftlich relevant und aktuell zu bleiben, während ich mehr an Zeitlosigkeit und bleibenden Werten interessiert bin – das täte ihr vielleicht auch ganz gut.
Klingt ganz so als seien Sie der perfekte Frauenversteher. Auch in Ihrem Unternehmen arbeiten hauptsächlich Frauen. Glauben Sie, dass Frauen die besseren „Geschäftsmänner“ sind? Nein, das kann man nicht verallgemeinern. Aber ja, in meinem Büro sitzen tatsächlich mehr Frauen und die haben auch mehr zu sagen. Ich mag mächtige Frauen. In diesem Business kann man keine Mauerblümchen gebrauchen, man braucht Zugpferde. Männer haben oft zu große Egos. Und dazu sind sie auch noch unsicher. Frauen sind das manchmal auch aber es steht ihnen offensichtlich nicht so sehr im Weg wie Männern.
Social Media spielt eine große Rolle in ihrem Leben, Sie posten laufend Bilder und geben Instagram als Inspirationsquelle für Ihre Kollektionen an. Wenn man Ihnen folgt, fällt besonders ihre Leidenschaft für große Filmemacher und Essen auf. Wollen Sie eines Tages lieber Koch sein oder vielleicht einen Film drehen, so wie zum Beispiel ihr Kollege Tom Ford, der 2009 das preisgekrönte US-Drama „A Single Man“ drehte? Ja, ich denke ich würde gerne mal an einem Film arbeiten. Aber gleich als Regisseur, ich weiß nicht…
Wären Sie lieber Schauspieler? Oder Kostümdesigner? Sie lieben angeblich Serien wie „Downton Abbey“… Filmkostüme würde ich in jedem Fall gerne einmal kreieren. Schauspielen nur vielleicht. Und Regie führen würde ich auch gerne eines Tages. Aber ich kenne so viele gute Regisseure, die ihren Job so fantastisch machen – das wird harte Arbeit. Das Kochen dagegen bleibt wohl nur ein Hobby.
Ihre Kollektion wurde 2008 im Rahmen der Berliner Modewoche gezeigt. Sie selbst waren nicht anwesend und hatten doch eine klare Vorstellung von Berlin. Wie New York in den 80ern stellten Sie sich die deutsche Hauptstadt damals vor und prophezeiten den modischen Aufstieg. Was sagen Sie nun? Mir gefällt diese hippe Nostalgie hier. Ich bin im New Yorker Stadtteil Soho aufgewachsen – der Wiege der Hipsters. Aber das bezieht sich auf unsere Eltern, die waren Hipsters in den 1960er-, 70er-Jahren. Die Beat-Generation, die Proteste im East Village, die ganze Warhol-Clique. Ich und die anderen jungen Designer sind nur eine Reaktion darauf. Wir sind in den 1980ern aufgewachsen. Zwar hat es uns damals nicht interessiert doch unsere Mode weist starke Referenzen an diese Zeit auf. Und diese Einflüsse erkenne ich auch hier in Berlin wieder. Die Menschen kleiden sich experimentierfreudig und selbstbewusst.
Was fehlt Berlin als Modestadt im Vergleich mit Paris, Mailand oder New York? Das ist schwer zu sagen. Physikalisch gesehen ist vielleicht das fehlende Zentrum ein Problem. Durch die vielen Stadtteile in Berlin gibt es keinen Punkt der geballten Konzentration von Kreativität. Es verläuft sich.
Oder mangelt es uns an herausragenden Designtalenten? Das glaube ich nicht. Zu meiner Zeit gab es gleich ein ganzes Kollektiv an Designern, das eine neue Zeit repräsentierte, da waren Proenza Schouler, Derek Lam und ich zähle mich auch dazu. Wir wurden gleichermaßen gefeiert und entsprechend gefördert. Vielleicht sollte das hier in Berlin auch mal passieren!
Zur Person: Zac Posen, 34, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Modedesigner. Nach seinem Studium am renommierten Central Saint Martins College in London gründete Zac Posen 2002 im Alter von erst 21 Jahren sein eigenes Label in New York. Schon mit der ersten Kollektion gewann er Fans wie Supermodel Naomi Campbell und Vogue-Chefin Anna Wintour. Sein Markenzeichen: perfekt geschnittene Roben für den ganz großen Auftritt. Heute werden sie von Prominenten wie Glenn Close, Kate Winslet oder Beyoncé auf den roten Teppichen der Oscar-Verleihungen, Emmy-Awards und den Golden Globes getragen.
Erschienen in Der Spiegel Foto: Courtesy of Zac Posen
Eine eigene Modelinie, Uniformen für eine amerikanische Airline, Juri-Mitglied in Heidi Klums „Project Runway“ und die allzeit fordernde, hochrangige Kundschaft – US-Designer Zac Posen ist heiß begehrt und meistert alle Herausforderungen scheinbar mühelos. Nun wurde er zudem zum Schirmherr des „Designer for Tomorrow“-Awards ernannt, ein Förderpreis für Nachwuchsdesigner, initiiert vom Modehaus Peek & Cloppenburg. Bei dieser Gelegenheit trafen wir den vielbeschäftigten 34-Jährigen im Soho House Berlin.
Auf einem plüschigen Sofa empfängt uns Zac Posen, wie hindrapiert, in einem rostfarbenen Maßanzug, vanillegelbem Jacquard-Hemd und Häkelkrawatte in Violett. Wie das zusammenpasst? Hervorragend natürlich! Doch beruflich spezialisiert sich Posen lieber auf Damenmode. Als Naomi Campbell 2001 umgehend eine Maßanfertigung ordert, gleich nach seiner ersten Präsentation, gewinnt er den Respekt der Branche. Und wird mit Aufträgen und Jobs überhäuft, Beifall von allen Seiten inklusive. Das geht nun schon seit Jahren so, Posen entwirft Roben für die gesamte Riege der weiblichen Hollywood-Stars und meistert jede prominente Herausforderung mit Bravour. Inzwischen gilt er in modischen Dingen als wahrer Frauenversteher. Den Titel „Fashion-Wunderkind“, den ihm seine Omnipräsenz bescherte kann er nicht mehr hören. Und doch gibt es da noch diese eine wichtige Stil-Ikone, die ihm in seinem ganz persönlichen Repertoire noch fehlt.
Mr. Posen, Sie designen Kleider für die erfolgreichsten, schönsten aber auch unterschiedlichsten Frauen dieser Zeit. Nehmen wir zum Beispiel Schauspielerin Glenn Close und Sängerin Rihanna. Wie gehen Sie vor?
Es ist ein Spiel. Die Damen geben mir Stichworte aber überlassen mir die Interpretation. Ich mag diese Art derZusammenarbeit, sie inspiriert mich und so habe ich auch etwas davon. Es ist mir sehr wichtig diese Verschiedenheit der Frauen als Designer zu repräsentieren anstatt nur einem bestimmten Typ Frau gerecht zu werden. Glenn Close ist für mich die Größte, sie ist wundervoll. Was aber alle gemeinsam haben ist, dass sie kreativ und intelligent sind. Und sie haben alle irgendein Ziel vor Augen, wenn sie zu mir kommen: Die einen soll ich in ihrer Persönlichkeit unterstützen, andere wollen ein komplett neues Image von mir.
Falls es überhaupt eine Dame in Hollywood gibt, die Sie noch nicht eingekleidet haben, wem würden Sie gerne eine Robe oder ein neues Image kreieren?
Oh doch, Madonna. Natürlich trägt sie meine Kleider aber ich habe noch nie eine richtige Robe für sie angefertigt. Das wäre mein Traum.
Warum Madonna?
Sie steht für kulturellen Wandel. Nein, sie ist kultureller Wandel. Uns verbindet die Leidenschaft für Glamour und Provokation. Sie legt allerdings größten Wert darauf gesellschaftlich relevant und aktuell zu bleiben, während ich mehr an Zeitlosigkeit und bleibenden Werten interessiert bin – das täte ihr vielleicht auch ganz gut.
Klingt ganz so als seien Sie der perfekte Frauenversteher. Auch in Ihrem Unternehmen arbeiten hauptsächlich Frauen. Glauben Sie, dass Frauen die besseren „Geschäftsmänner“ sind?
Nein, das kann man nicht verallgemeinern. Aber ja, in meinem Büro sitzen tatsächlich mehr Frauen und die haben auch mehr zu sagen. Ich mag mächtige Frauen. In diesem Business kann man keine Mauerblümchen gebrauchen, man braucht Zugpferde. Männer haben oft zu große Egos. Und dazu sind sie auch noch unsicher. Frauen sind das manchmal auch aber es steht ihnen offensichtlich nicht so sehr im Weg wie Männern.
Social Media spielt eine große Rolle in ihrem Leben, Sie posten laufend Bilder und geben Instagram als Inspirationsquelle für Ihre Kollektionen an. Wenn man Ihnen folgt, fällt besonders ihre Leidenschaft für große Filmemacher und Essen auf. Wollen Sie eines Tages lieber Koch sein oder vielleicht einen Film drehen, so wie zum Beispiel ihr Kollege Tom Ford, der 2009 das preisgekrönte US-Drama „A Single Man“ drehte?
Ja, ich denke ich würde gerne mal an einem Film arbeiten. Aber gleich als Regisseur, ich weiß nicht…
Wären Sie lieber Schauspieler? Oder Kostümdesigner? Sie lieben angeblich Serien wie „Downton Abbey“…
Filmkostüme würde ich in jedem Fall gerne einmal kreieren. Schauspielen nur vielleicht. Und Regie führen würde ich auch gerne eines Tages. Aber ich kenne so viele gute Regisseure, die ihren Job so fantastisch machen – das wird harte Arbeit. Das Kochen dagegen bleibt wohl nur ein Hobby.
Ihre Kollektion wurde 2008 im Rahmen der Berliner Modewoche gezeigt. Sie selbst waren nicht anwesend und hatten doch eine klare Vorstellung von Berlin. Wie New York in den 80ern stellten Sie sich die deutsche Hauptstadt damals vor und prophezeiten den modischen Aufstieg. Was sagen Sie nun?
Mir gefällt diese hippe Nostalgie hier. Ich bin im New Yorker Stadtteil Soho aufgewachsen – der Wiege der Hipsters. Aber das bezieht sich auf unsere Eltern, die waren Hipsters in den 1960er-, 70er-Jahren. Die Beat-Generation, die Proteste im East Village, die ganze Warhol-Clique. Ich und die anderen jungen Designer sind nur eine Reaktion darauf. Wir sind in den 1980ern aufgewachsen. Zwar hat es uns damals nicht interessiert doch unsere Mode weist starke Referenzen an diese Zeit auf. Und diese Einflüsse erkenne ich auch hier in Berlin wieder. Die Menschen kleiden sich experimentierfreudig und selbstbewusst.
Was fehlt Berlin als Modestadt im Vergleich mit Paris, Mailand oder New York?
Das ist schwer zu sagen. Physikalisch gesehen ist vielleicht das fehlende Zentrum ein Problem. Durch die vielen Stadtteile in Berlin gibt es keinen Punkt der geballten Konzentration von Kreativität. Es verläuft sich.
Oder mangelt es uns an herausragenden Designtalenten?
Das glaube ich nicht. Zu meiner Zeit gab es gleich ein ganzes Kollektiv an Designern, das eine neue Zeit repräsentierte, da waren Proenza Schouler, Derek Lam und ich zähle mich auch dazu. Wir wurden gleichermaßen gefeiert und entsprechend gefördert. Vielleicht sollte das hier in Berlin auch mal passieren!
Zur Person:
Zac Posen, 34, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Modedesigner. Nach seinem Studium am renommierten Central Saint Martins College in London gründete Zac Posen 2002 im Alter von erst 21 Jahren sein eigenes Label in New York. Schon mit der ersten Kollektion gewann er Fans wie Supermodel Naomi Campbell und Vogue-Chefin Anna Wintour. Sein Markenzeichen: perfekt geschnittene Roben für den ganz großen Auftritt. Heute werden sie von Prominenten wie Glenn Close, Kate Winslet oder Beyoncé auf den roten Teppichen der Oscar-Verleihungen, Emmy-Awards und den Golden Globes getragen.
Erschienen in Der Spiegel
Foto: Courtesy of Zac Posen