Im Januar findet die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin bereits zum 20. Mal statt, es erwarten uns rund 30 Shows und Präsentationen, dazu Modemessen und Events. Völlig unrunde Jubiläen dagegen feiert in diesem Jahr Malaika Raiss, die ihren Namen 2010 für ihr eponymes Label einfach zusammenschrieb:Es ist die 13. Kollektion und das „verflixte siebte Jahr“. Grund zur Sorge? Im Gegenteil. Raiss hat inzwischen zwölf Mitarbeiter und gehört zu den alten Hasen im Fashion Business. Die Designerin beweist nicht nur ein untrügliches Modehändchen, sondern zudem Geschäftssinn. Den predigt sie auch ihren SchülerInnen, die sie an der Modeschule ESMOD in Textiltechnologie unterrichtet. Für ihre eigenen Entwürfe entwickelt Raiss die Prints und Stoffe übrigens selbst. Das Spiel mit Texturen und Kontrasten, pudrigen Tönen zu Schwarz, transparenten Stoffen zu Leder, zarten Plissees zu strengen Silhouetten wirkt alles andere als gleichförmig oder gefällig. Das Stichwort zu ihrer Herbst/Winter-Kollektion 2017/18 lautet deshalb: Nonkonformismus. Was sich dahinter verbirgt und was uns bei ihrer Show erwartet, fragten wir Malaika vorab im Interview. Außerdem durfte L’Officiel ihr schon einmal über die Schulter linsen.
Malaika, du zeigst am Dienstag deine 13. Kollektion und befindest dich mit deinem Label Malaikaraiss im „verflixten siebten Jahr“ – du bist hoffentlich nicht abergläubisch? Stimmt! Ich bin schon ab und an mal abergläubisch, aber die 7 und die 13 sehe ich eher als Glückszahlen. Trotzdem: „Auf Holz klopfen“ muss immer sein.
Die Berliner rühmen sich mit Kreativität und ungewöhnlichen Off-Show-Locations – wo findet deine Show in diesem Jahr statt? Wir zeigen im Rahmen des Berliner Mode Salons, aber an einem ganz besonderen Ort: im Rohbau des Humboldtforums im neuen Berliner Stadtschloss. Ich habe mir einen Raum gewünscht, der gigantisch wirkt und in dem sich der Zuschauer klein vorkommt. Da passt der Saal im Humboldtforum mit über 500 Quadratmetern, zehn Meter hohen Decken und dem Raw-Look von Beton und Estrich perfekt und hat genau das richtige Ambiente.
Fotocredit: Uljana Andreeva
Der Überbegriff deiner Kollektion lautet „Nonkonformismus“ – kannst du erklären, was das für dich bedeutet? Es geht zum einen darum, dass ich mich nicht mehr an einem Inspirationsthema festhalten, sondern mit den Kollektionen eine kontinuierliche Geschichte erzählen möchte. Meine Designs entstehen eher aus einer Ansammlung von unterbewussten Gefühlen und Moods. Und so verhält es sich auch bei der Kundin. Es geht nicht darum, einem Trend oder Look zu folgen, sondern Teile so zu kombinieren und tragen, wie man sich gerade fühlt. Dabei können sie als Schutzschild dienen oder bewusst die Attraktivität oder Weiblichkeit der Trägerin betonen – aus ihrem eigenen Blickwinkel auf sich selbst gerichtet.
Apropos Inspirationsthema: Ich kann mich an eine Kollektion erinnern, die sich von dem Film „Beetlejuice“ inspiriert zeigte und Grunge mit Mädchencharme verknüpfte. Oft integrierst du Popkultur-Elemente aufsubtile Art – wie ist es dieses Mal? Oh ja, das ist schon eine Weile her. Momentan sind es eher Einflüsse des Zeitgeschehens – deshalb werden wir einen melancholischen, roten Mohnblumenprint aber auch ein electric Pink sehen, das für die Sehnsucht nach leuchtenderen Zeiten steht. Generell spielt „coming of age“ immer eine Rolle, deshalb sind in meinen Entwürfen auch häufig Streetwear-Anleihen zu identifizieren.
Auf deinem Moodboard und in deinen Skizzen erkennt man plissierte lange Röcke aber auch Leder, strenge Silhouetten und diesen stilisierten Blumenprint – eine Kombination von zarten und derberen Motiven. Ist diese Verbindung inzwischen zu so etwas wie deinem Markenzeichen geworden? Ja, das könnte man so sagen. Eine Frau kann stark und selbstbewusst sein aber gleichzeitig auch sensibel und verletzlich – ich finde diesen Kontrast immer spannend.
Was erwartet uns noch, welche Farben, Accessoires, welche Musik und welches Styling hast du gewählt? Es wird farblich sehr kraftvoll mit Rot-, Mahagoni- und Bordeauxtönen und dem leuchtendem electric Pink. Aber auch eine klare, pure Basis mit viel Weiß, Creme und Schwarz bleibt erhalten. Es gibt überdimensionale, fächerförmige Ohrringe in verschiedenen Varianten und Taschen aus Ponyfell. Die Musik passt sich der melancholischen Grundstimmung an, und unsere Stylistin Réka Maria Probst hat tolle Looks zwischen exzentrisch und elegant geschaffen.
Wird Franziska Müller wieder für dich laufen und wenn ja, in welchem Look? Magst du das schon verraten? Franzi ist und bleibt meine Muse. Sie ist für mich, was Daria Werbowy für Céline ist. Welchen Look sie trägt, weiß ich allerdings noch nicht, wir hatten noch kein Fitting. Aber auf jeden Fall einen Key-Looks!
Gibt es auch ein modisches Comeback, das du in deiner FW2017-Kollektion mitfeierst? Ich würde sagen der Rolli und Leder-Parkas.
Die anfängliche Euphorie um neue Designer verfliegt oft schnell. Wir haben viele Labels kommen und gehen sehen… Ja, leider – deshalb wollte ich nie der Hype sein. Ich bin stattdessen gekommen, um zu bleiben!
Du hast einmal gesagt: Kreativität alleine reicht nicht aus für den Job. Was gehört heute noch dazu, Modedesigner zu sein und zu bleiben? Man muss unternehmerisches Gespür haben, ein Gefühl dafür entwickeln, was der Kunde oder die Kundin als nächstes möchte, und sich auf Entwicklungen einstellen. Andernfalls ist man vielleicht besser in einem Team aufgehoben, als solo unterwegs zu sein.
Und wo geht die Entwicklung deiner Meinung nach hin, auch wenn man an das aktuell diskutierte See-now-buy-now-Konzept denkt, Entwürfe also nicht ein Jahr im Voraus zu präsentieren, sondern sie parallel zu produzieren und käuflich zu machen? An see-now-buy-now kommt man irgendwann nicht mehr vorbei, wenn man nicht ewig von den großen Highstreet Ketten ausgebootet werden will, die dazu bereits in der Lage sind und fröhlich alles kopieren. Wobei ich den Gedanken daran ein Design, eine vielleicht lange entwickelte und perfektionierte Idee auf diese Weise noch kurzlebiger zu machen, erschreckend finde.
Wieviel Prozent der Teile, die man auf dem Laufsteg sieht, werden inzwischen produziert?Der Einzelhandel ist noch immer im Umbruch. Aber es sind für uns neue Märkte wie Japan und Skandinavien dazu gekommen. Wir produzieren in der Regel 70 Prozent der auf dem Runway gezeigten Modelle. Der Fokus wird aber in Zukunft nochenger in Richtung der Bedürfnisse des Endkunden gehen, soviel ist sicher.
Wir waren mal gemeinsam ein Schnitzel essen, Anlass war damals die Kooperation mit dem Onlineshop Brands4Friends. Dann kam deine mega-erfolgreiche Star Wars x Malaikaraiss Schmuckkollektion, aktuell gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Retailer Edited. Hast du bereits die nächste Kollaboration in Petto? Klar, man darf sich auf nichts ausruhen. Es gibt viele tolle Ideen, da wird dieses Jahr noch einiges passieren. Als nächstes geht es für mich aber zur Kopenhagen Fashion Week, dort werde ich mit meinem Schmuck zum ersten Mal im „The Jewelry Room“ präsent sein und freue mich riesig darauf.
Liebe Malaika, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg bei deiner Show – wir klopfen auf Holz für Dich, obwohl das keinesfalls nötig ist.
Malaikaraiss zeigt ihre F/W-Kollektion 2017/18 am Dienstag, den 17. Januar im Rahmen der Berliner Modewoche. Fotocredit: Malaika Raiss
Im Januar findet die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin bereits zum 20. Mal statt, es erwarten uns rund 30 Shows und Präsentationen, dazu Modemessen und Events. Völlig unrunde Jubiläen dagegen feiert in diesem Jahr Malaika Raiss, die ihren Namen 2010 für ihr eponymes Label einfach zusammenschrieb: Es ist die 13. Kollektion und das „verflixte siebte Jahr“. Grund zur Sorge? Im Gegenteil. Raiss hat inzwischen zwölf Mitarbeiter und gehört zu den alten Hasen im Fashion Business. Die Designerin beweist nicht nur ein untrügliches Modehändchen, sondern zudem Geschäftssinn. Den predigt sie auch ihren SchülerInnen, die sie an der Modeschule ESMOD in Textiltechnologie unterrichtet. Für ihre eigenen Entwürfe entwickelt Raiss die Prints und Stoffe übrigens selbst. Das Spiel mit Texturen und Kontrasten, pudrigen Tönen zu Schwarz, transparenten Stoffen zu Leder, zarten Plissees zu strengen Silhouetten wirkt alles andere als gleichförmig oder gefällig. Das Stichwort zu ihrer Herbst/Winter-Kollektion 2017/18 lautet deshalb: Nonkonformismus. Was sich dahinter verbirgt und was uns bei ihrer Show erwartet, fragten wir Malaika vorab im Interview. Außerdem durfte L’Officiel ihr schon einmal über die Schulter linsen.
Malaika, du zeigst am Dienstag deine 13. Kollektion und befindest dich mit deinem Label Malaikaraiss im „verflixten siebten Jahr“ – du bist hoffentlich nicht abergläubisch?
Stimmt! Ich bin schon ab und an mal abergläubisch, aber die 7 und die 13 sehe ich eher als Glückszahlen. Trotzdem: „Auf Holz klopfen“ muss immer sein.
Die Berliner rühmen sich mit Kreativität und ungewöhnlichen Off-Show-Locations – wo findet deine Show in diesem Jahr statt?
Wir zeigen im Rahmen des Berliner Mode Salons, aber an einem ganz besonderen Ort: im Rohbau des Humboldtforums im neuen Berliner Stadtschloss. Ich habe mir einen Raum gewünscht, der gigantisch wirkt und in dem sich der Zuschauer klein vorkommt. Da passt der Saal im Humboldtforum mit über 500 Quadratmetern, zehn Meter hohen Decken und dem Raw-Look von Beton und Estrich perfekt und hat genau das richtige Ambiente.
Fotocredit: Uljana Andreeva
Der Überbegriff deiner Kollektion lautet „Nonkonformismus“ – kannst du erklären, was das für dich bedeutet?
Es geht zum einen darum, dass ich mich nicht mehr an einem Inspirationsthema festhalten, sondern mit den Kollektionen eine kontinuierliche Geschichte erzählen möchte. Meine Designs entstehen eher aus einer Ansammlung von unterbewussten Gefühlen und Moods. Und so verhält es sich auch bei der Kundin. Es geht nicht darum, einem Trend oder Look zu folgen, sondern Teile so zu kombinieren und tragen, wie man sich gerade fühlt. Dabei können sie als Schutzschild dienen oder bewusst die Attraktivität oder Weiblichkeit der Trägerin betonen – aus ihrem eigenen Blickwinkel auf sich selbst gerichtet.
Apropos Inspirationsthema: Ich kann mich an eine Kollektion erinnern, die sich von dem Film „Beetlejuice“ inspiriert zeigte und Grunge mit Mädchencharme verknüpfte. Oft integrierst du Popkultur-Elemente aufsubtile Art – wie ist es dieses Mal?
Oh ja, das ist schon eine Weile her. Momentan sind es eher Einflüsse des Zeitgeschehens – deshalb werden wir einen melancholischen, roten Mohnblumenprint aber auch ein electric Pink sehen, das für die Sehnsucht nach leuchtenderen Zeiten steht. Generell spielt „coming of age“ immer eine Rolle, deshalb sind in meinen Entwürfen auch häufig Streetwear-Anleihen zu identifizieren.
Auf deinem Moodboard und in deinen Skizzen erkennt man plissierte lange Röcke aber auch Leder, strenge Silhouetten und diesen stilisierten Blumenprint – eine Kombination von zarten und derberen Motiven. Ist diese Verbindung inzwischen zu so etwas wie deinem Markenzeichen geworden?
Ja, das könnte man so sagen. Eine Frau kann stark und selbstbewusst sein aber gleichzeitig auch sensibel und verletzlich – ich finde diesen Kontrast immer spannend.
Was erwartet uns noch, welche Farben, Accessoires, welche Musik und welches Styling hast du gewählt?
Es wird farblich sehr kraftvoll mit Rot-, Mahagoni- und Bordeauxtönen und dem leuchtendem electric Pink. Aber auch eine klare, pure Basis mit viel Weiß, Creme und Schwarz bleibt erhalten. Es gibt überdimensionale, fächerförmige Ohrringe in verschiedenen Varianten und Taschen aus Ponyfell. Die Musik passt sich der melancholischen Grundstimmung an, und unsere Stylistin Réka Maria Probst hat tolle Looks zwischen exzentrisch und elegant geschaffen.
Wird Franziska Müller wieder für dich laufen und wenn ja, in welchem Look? Magst du das schon verraten?
Franzi ist und bleibt meine Muse. Sie ist für mich, was Daria Werbowy für Céline ist. Welchen Look sie trägt, weiß ich allerdings noch nicht, wir hatten noch kein Fitting. Aber auf jeden Fall einen Key-Looks!
Gibt es auch ein modisches Comeback, das du in deiner FW2017-Kollektion mitfeierst?
Ich würde sagen der Rolli und Leder-Parkas.
Die anfängliche Euphorie um neue Designer verfliegt oft schnell. Wir haben viele Labels kommen und gehen sehen… Ja, leider – deshalb wollte ich nie der Hype sein. Ich bin stattdessen gekommen, um zu bleiben!
Du hast einmal gesagt: Kreativität alleine reicht nicht aus für den Job. Was gehört heute noch dazu, Modedesigner zu sein und zu bleiben?
Man muss unternehmerisches Gespür haben, ein Gefühl dafür entwickeln, was der Kunde oder die Kundin als nächstes möchte, und sich auf Entwicklungen einstellen. Andernfalls ist man vielleicht besser in einem Team aufgehoben, als solo unterwegs zu sein.
Und wo geht die Entwicklung deiner Meinung nach hin, auch wenn man an das aktuell diskutierte See-now-buy-now-Konzept denkt, Entwürfe also nicht ein Jahr im Voraus zu präsentieren, sondern sie parallel zu produzieren und käuflich zu machen? An see-now-buy-now kommt man irgendwann nicht mehr vorbei, wenn man nicht ewig von den großen Highstreet Ketten ausgebootet werden will, die dazu bereits in der Lage sind und fröhlich alles kopieren. Wobei ich den Gedanken daran ein Design, eine vielleicht lange entwickelte und perfektionierte Idee auf diese Weise noch kurzlebiger zu machen, erschreckend finde.
Wieviel Prozent der Teile, die man auf dem Laufsteg sieht, werden inzwischen produziert?Der Einzelhandel ist noch immer im Umbruch. Aber es sind für uns neue Märkte wie Japan und Skandinavien dazu gekommen. Wir produzieren in der Regel 70 Prozent der auf dem Runway gezeigten Modelle. Der Fokus wird aber in Zukunft nochenger in Richtung der Bedürfnisse des Endkunden gehen, soviel ist sicher.
Wir waren mal gemeinsam ein Schnitzel essen, Anlass war damals die Kooperation mit dem Onlineshop Brands4Friends. Dann kam deine mega-erfolgreiche Star Wars x Malaikaraiss Schmuckkollektion, aktuell gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Retailer Edited. Hast du bereits die nächste Kollaboration in Petto?
Klar, man darf sich auf nichts ausruhen. Es gibt viele tolle Ideen, da wird dieses Jahr noch einiges passieren. Als nächstes geht es für mich aber zur Kopenhagen Fashion Week, dort werde ich mit meinem Schmuck zum ersten Mal im „The Jewelry Room“ präsent sein und freue mich riesig darauf.
Liebe Malaika, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg bei deiner Show – wir klopfen auf Holz für Dich, obwohl das keinesfalls nötig ist.
Malaikaraiss zeigt ihre F/W-Kollektion 2017/18 am Dienstag, den 17. Januar im Rahmen der Berliner Modewoche.
Fotocredit: Malaika Raiss
Erschienen in L’Officiel